Klangbeispiel:
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MVB 115: Martin Luther, Kirchenlieder für Blockflöten-Quartett (SATB)

Vor 500 Jahren veröffentlichte Martin Luther seine reformatorischen Thesen. Diese „500 Jahre Reformation“ können heute evangelische und katholische Christen entspannt gemeinsam feiern. Und es gibt sicher keine bessere Weise dies zu tun als mit der Musik Martin Luthers selbst, der feststellte: „Die Musik ist eine Gabe und Geschenk Gottes, die den Teufel vertreibt und die Leute fröhlich macht.“

Die Melodiestimmen der Lieder unserer Ausgabe sind identisch mit der aktuellen Fassung des Evangelischen Gesangbuchs (EG). Die vierstimmigen Sätze können daher instrumental gespielt werden oder zur Begleitung des Gesangs dienen, auch im Wechsel mit Orgel, Positiv oder Klavier.

Bewusst sind die Arrangements so gesetzt, dass die Lieder auch bei mehrfacher Besetzung der Stimmen gut klingen. Der Band eignet sich daher bestens auch für größere Spielkreise. Wie meistens im Blockflöten-Orchester sollte die Sopranblockflöte allerdings möglichst nur einfach besetzt sein. Zusätzliche Einzelstimmen (à 2,00 Euro) sind im Fachhandel separat erhältlich oder können auf dieser Website im Bestellsystem formlos unter „Kommentar“ mitbestellt werden.
Die Lieder dieser Ausgabe mit Ausnahme von „Vater unser im Himmelreich“ (EG 344) sind auch in den vier Bänden „Lieder des Evangelischen Gesangbuchs für Blockflöten-Quartett“ (MVB 124-127) enthalten. Diese umfangreichen Ausgaben möchten wir ausdrücklich empfehlen:
Lieder des Evangelischen Gesangbuchs für Blockflöten-Quartett (SATB)
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Inhalt:
1. Gelobet seist du, Jesu Christ, EG 23
2. Nun bitten wir den Heiligen Geist, EG 124
3. Erhalt uns, Herr, bei deinem Wort, EG 193
4. Aus tiefer Not schrei ich zu dir, EG 299
5. Nun freut euch, lieben Christen g’mein, EG 341
6. Vater unser im Himmelreich, EG 344
7. Ein feste Burg ist unser Gott, EG 362
8. Verleih uns Frieden gnädiglich, EG 421
Vorwort
Es geschah am 31. Oktober 1517: der Augustinermönch Martin Luther (1483-1546) schlug seine „95 Thesen“ an die Schlosskirche in Wittenberg. Wenn auch die Historizität des Thesenanschlags umstritten ist, steht fest, dass er diese 95 Thesen am 31. Oktober 1517 als Beifügung zu einen Brief an den Erzbischof von Mainz und Magdeburg, Albrecht von Brandenburg, erstmals veröffentlichte, mit denen er die Missbräuche beim Ablass sowie weitere Kirchenmissstände anprangerte und eigene Glaubenserfahrungen und theologische Erkenntnisse verkündete. Schon bald sollte diese Tat auch politische Dimensionen annehmen und über die kirchliche Reformation in einer Vielzahl von Ländern hinaus zur Kirchenspaltung, zu schlimmsten Verwerfungen eskalieren und in eine Vielzahl von Kriegen und Bürgerkriegen bis hin zum Dreißigjährigen Krieg führen.

Der Reformation sind auch unschätzbare spirituellen und kulturelle Impulse zu verdanken, dabei auch der musikalische Reichtum der evangelischen Kirche und ihr Schatz an Kirchenliedern. Den Grundstein hierzu legte Luther selbst, von dem bis heute noch über 30 Kirchenlieder lebendig blieben. Gemäß der Forderung „Singt Gott von ganzem Herzen Psalmen, Hymnen, Loblieder“ (Kolosser 3,16) gestaltete er gregorianische Vorlagen um oder unterlegte Melodien weltlicher Lieder mit geistlichen Texten. Dabei war der Reformator nicht der einzige, der erkannte, dass deutsche Lieder anderer Melodieformen als lateinische Gesänge bedürfen. Doch setzte vor allem Luther einen schöpferische Impuls ingange, der etwa bei Paul Gerhardt und Johann Crüger im 17. Jahrhundert zu einem neuen Höhepunkt evangelischer Liedkultur führte. Eine künstlerische Auseinandersetzung mit dem Kirchenlied gipfelte freilich in Johann Sebastian Bach mit den Chorälen in seinen Kantaten und oratorischen Werken.

Luthers Liebe zur Musik entwickelte sich bereits in der Heimatstadt seiner Eltern, in Eisenach. Hier besuchte er ab 1497 vier Jahre lang die Lateinschule, erlernte die Musiktheorie und sang im Chorus Musicus der Georgenkirche. Außerdem sang er in der Eisenacher Kurrende, einem Schüler-Chor, der gegen Bezahlung zu Festen und Anlässen sang. Später studierte Luther an der Erfurter Universität neben Theologie auch Musik und Kontrapunkt, die damalige Kompositionstechnik. Er spielte die Laute und musizierte so gut, dass ihn ein Kommilitone als „musicus et philosophus eruditus“, als gelehrten Musiker und Philosophen pries. Später, als ihn die 95 Thesen, diverse Disputationen und ein mutiger Auftritt vor dem Kaiser in Worms berühmt gemacht hatten, führte Luther in seiner Universitätsstadt Wittenberg den deutschsprachigen Gemeindegesang im Gottesdienst ein. In Wittenberg konnte Luther seine Forderungen durchsetzen, und schon in der Deutschen Messe von 1526, dem Wittenberger deutschsprachigen Gottesdienst, standen deutschsprachige Lieder ganz am Anfang sowie nach der Epistellesung. Auf das Evangelium folgte Luthers Glaubenslied „Wir glauben all an einen Gott“. Auch im Rahmen der Abendmahlsliturgie wurden Gemeindeliedstrophen gesungen. Schon bald hielt man in eigenen Gesangbüchern die gedruckten Lieder fest - ebenso Gebete, liturgische Gebräuche sowie erklärende und reflektierende Texte.

Ende 1523 erschien in Nürnberg das „Achtliederbuch“, die erste reformatorische Liedsammlung. Darin enthalten waren „etliche christliche Lieder, Lobgesänge und Psalmen, dem reinen Wort Gottes gemäß aus der Heiligen Schrift, durch mancherlei Hochgelehrte gemacht, in der Kirche zu singen wie es denn zum Teil bereits zu Wittenberg in Übung ist“. Vier der acht Lieder stammten von Luther. Gleich das erste „Nun freut euch lieben Christen g’mein“ beginnt mit dem für Luthers Musikanschauung symbolischen Vers:
Nun frewdt euch lieben Christen gemayn
Und laßt uns frölich spryngen
Das wir getröst unnd all in eyn
Mit Lust unn Lyebe singen ...
„Nun freut euch lieben Christen g’mein“,
das erste Lied im „Achtliederbuch“
24 Lieder dichtete er in den nun folgenden zwölf Monaten, darunter das bekannte Psalmlied „Aus tiefer Not schrei ich zu dir“ (nach Psalm 131). Sie alle erscheinen in Johann Walters Chorgesangbuch von 1524, für Schulkantoreien kunstvoll mehrstimmig gesetzt.

Luthers hohe Wertschätzung der Musik äußerte sich immer wieder in seinen Reden, in denen er „die Musica“ als ein „herrlich und göttlich Geschenck und Gabe“, die den Menschen „fröhlich mache“ preist und die der Teufel „nicht gerne erharret“ nennt. Darüber hinaus hat sein musikalisches Wirken bestimmt nicht unwesentlich der gesamten Gesangs- und Orchesterkultur in Deutschland Auftrieb gegeben.

Die abendländischen Musik vom frühen Mittelalter bis zum 16. Jahrhundert, mit unmittelbaren Nachwirkungen auch bis ins 17. und 18. Jahrhundert hinein, folgt den sog. Kirchentonarten, auch Kirchentönen genannt. Diese Kirchentonarten (Kirchentonleitern) unterscheiden sich durch ihren jeweils unterschiedlichen Tonvorrat (Ambitus), durch ihren Grund- und Schlusston, dem Finalis [F], durch ihren jeweiligen Haupt- oder Rezitationston [R] sowie durch bestimmte charakteristische Melodiewendungen. Wenn auch die Bezeichnungen der mittelalterlichen Kirchentonarten von den altgriechischen Tonleitern übernommen wurden, haben sie mit diesen jedoch nichts gemein. Zu jeder der ursprünglich vier authentischen Tonarten gehört eine sog. plagale Tonart mit jeweils demselben Grund- oder Schlusston. Kirchentonarten, auch „Modi“ genannt, implizieren keine Akkorde der Funktionsharmonik wie wir sie aus der späteren Dur-moll-Tonalität kennen. Die authentischen Modi bauen sich über der Finalis auf, bei den plagalen Modi umfasst der Tonumfang die Quarte unter der Finalis. Bezogen auf die weißen Tasten des Klaviers würden sich die Kirchentonarten wie folgt darstellen:
Die vier „authentischen“ und „plagalen“ Tonarten
Die Kirchentonarten können auf einem beliebigen Ton beginnen bzw. dorthin transponiert werden. Dabei muss der spezielle Aufbau mit den charakteristischen Positionen der Halb- und Ganztonschritte übereinstimmen, d.h. es müssen ggf. entsprechende Vorzeichen gesetzt werden.
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